| INSTITUT FÜR STÄDTEBAU
UND LANDESPLANUNG der Universität Karlsruhe (TH) |
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ISL
Lehrmodul
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Neben dem gesprochenen Wort und dem geschriebenen Bericht, dem gezeichneten Plan und dem gebauten Modell gibt es eine leider oft zu gering beachtete, aber sehr direkte überzeugende Möglichkeit der Information: die nonverbale Kommunikation. Ihre Bedeutung darf vor allem deshalb nicht unterschätzt werden, weil sie subjektiv, unmittelbar und weitgehend unbeeinflussbar ist. |
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| Die Bedeutung nonverbaler Signale |
Nonverbale Signale
"Eine Viertelsekunde reicht, und der Mensch hat sein Vorurteil über den Mitmenschen gefällt" (Der Spiegel 1999). Der Eindruck, den eine unbekannte Person macht, hängt nur zu 10 % von dem ab, was sie sagt; d.h. der Eindruck hängt zu 90 % von dem ab, was sie ohne Sprache durch Mimik, Gestik, Haltung, Kleidung, Parfüm etc. vermittelt. Selbst wenn die Person besser bekannt ist, bestimmen die nonverbalen Signale immer noch 60 % des Eindrucks. Innerhalb eines Vortrags haben die einzelnen Elemente folgendes Gewicht (hbw-radio):
Dies gilt es auch zu berücksichtigen bei Fachgesprächen, Vorstellungen eines Projekts, Wortmeldungen, Diskursen, Seminaren, Konferenzen etc. Denn wenn auf die nonverbalen Signale geachtet wird, kann man sich darauf einstellen, Missverständnisse früher erkennen und ihnen vorbeugen, sich selbst bzw. die Personen gegenüber beobachten. |
Die Botschaft
Es ist unmöglich, nicht nonverbal zu kommunizieren!
Nur bei engen Beziehungen wird Sprache genutzt, um die Art der Beziehung deutlich werden zu lassen. Bei allen mehr informellen Beziehungen dagegen erlauben die "gesellschaftlichen Spielregeln" dies nicht. Hier erfolgt die Botschaft hinsichtlich der Art der Beziehung fast ausschliesslich auf der Basis nonverbaler Kommunikation, mit der Sympathie, Ablehnung, Bewunderung, Abscheu, Aufmerksamkeit, Langeweile, Angst, Trauer etc. ausgedrückt werden. Die Bedeutung der nonverbalen Signale wäre weniger gravierend, wenn sie ebenso leicht zu steuern wären wie das gesprochene Wort. Aber während z.B. Lügen bei entsprechender Gewöhnung leicht von den Lippen gehen, ist das "körperliche Lügen" praktisch unmöglich. Nonverbale Kommunikation ist stärker von den schwerer kontrollierbaren Emotionen als vom kontrollierbaren Bewusstsein gesteuert. Selbst gute Schauspieler - sogenannte Charakterdarsteller - überzeugen in ihren Rollen nicht deshalb, weil sie sich gut verstellen können, sondern eher weil sie in der Lage sind, sich mit der Rolle zu identifizieren, sich "hineinzuversetzen". Deshalb ist es auch weniger erfolgversprechend zu versuchen, die nonverbalen Signale dem gesprochenen Wort anzupassen, als umgekehrt zu versuchen, das zu sagen, von dem man wirklich überzeugt ist.
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Ritualisierung
Insbesondere bei unterschiedlichen Kulturräumen und bei einer nicht bis wenig ritualisierten Körpersprache sind Missverständnisse zwischen "Sender" und "Empfänger" häufig. Dagegen erleichtert die Ritualisierung das Verständnis und zahlreiche Elemente der Körpersprache unterscheiden sich auch nicht zwischen Kulturräumen. Ritualisiert sind beispielsweise folgende nonverbalen Aktionen:
Eine besondere Form der Ritualisierung ist die sogenannte Gebärdensprache, die im Grunde schon so stark fixiert ist, dass sie dem Sprechen fast gleich kommt. Immerhin ist sie Gegensatz zu den Sprachen unseres Sprachraums aber stärker wortorientiert bis ereignisorientiert, somit eher ganzheitlich im Verständnis. Gebärde Raumwahrnehmung |
| Die einzelnen Elemente |
Körpersprache
Die
Körpersprache wird als eigentliche nonverbale Kommunikation verstanden.
Sie hat folgende wesentlichen Einflussgrössen: |
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Kinästhetisches Element |
Berühren,
Streicheln, Schulterklopfen |
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Visuelles Element | Winken, Nicken, Augenaufschlag | |
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Auditives Element | Husten, Räuspern, Zahnknirschen | |
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Olfaktorisches Element | Duften, Schwitzen, Rauchen | |
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Gustatorisches Element | Küssen, Lecken |
Einflussgrössen
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Aussehen
(Kleidung, Größe, Haarfarbe, Augenfarbe etc.) |
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Geruch (Eigengeruch, Parfüm) | |
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Mimik (Gesichtsausdruck, Augenausdruck, Mundform) | |
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Kopfhaltung (Blickkontakt, Schiefe) | |
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Haltung und Bewegung der Hände (Gestik, Manipulationen) | |
| Stand (Körperneigung, Körperorientierung, Bewegungen, Beinhaltung) | ||
| Sitzhaltung (Beinkreuzung, Winkel zwischen den Kommunizierenden) |

Paraverbale Kommunikation
Neben
der reinen Körpersprache wird auch die paraverbale Kommunikation,
also die Art wie die Sprache eingesetzt wird, nicht zur unmittelbaren
verbalen Kommunikation gezählt. Hiermit können ebenfalls deutlich
Befinden und Stimmungen ausgedrückt werden: |
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Amplitutenänderung |
mäßig |
Vergnügen. Aktivität, Glück |
| extrem | Furcht | |||
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Tonhöhe | niedrig | Vergnügen, Langweile, Trauer | |
| hoch | Ärger, Furcht, Überraschung | |||
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Tonhöhenverlauf | abwärts | Vergnügen, Langweile, Trauer | |
| aufwärts | Ärger, Furcht, Überraschung | |||
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Tonhöhenänderung | mäßig | Ärger, Langweile, Abscheu, Furcht | |
| extrem | Vergnügen, Glück, Überraschung | |||
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Tempo | langsam | Langweile, Abscheu, Trauer | |
| schnell | Vergnügen, Glück, Überraschung, Ärger, Furcht |
| Distanzen |
Bei einer Kontaktaufnahme gehen die meisten Menschen (unseres Kulturraums) nachweislich nicht enger als 1,20 m zusammen, was als "personale Distanz" gekennzeichnet wird:
Der Beitrag, den diese unmittelbar mit Zuneigung bzw. Abneigung verknüpften Distanzen auch zur Planung leisten, lässt sich beispielsweise in der Straßenbahn, in Fußgängerzonen, Straßencafés beobachten. |
| Training |
Verbales und nonverbales
stehen im Einklang. |
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Um die Signale des nonverbalen
Kommunizierens speziell im Bereich Rhetorik besser zu erkennen und zu
üben dienen die folgenden Anmerkungen: |
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Ihre Überzeugung von der Sache zeigt sich z.B. an einer geraden Haltung des Kopfes, während Ihr zurückgeworfener Kopf eher Distanz und Arroganz signalisiert, ihr gesenkter eher Verlegenheit und Schuldbewusstsein | |
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Wenn Sie dem Gegenüber zuhören, dann merkt er es daran, dass Sie ihn ansehen statt die Decke oder die Zimmerecke | |
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Sind sie entspannt, dann ist es auch Ihre Mimik, und ein Lächeln wird nicht zur Grimasse | |
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Unruhe und Unsicherheit wird oft mit den Händen abgeleitet - durch Rollen der Krawatte, Drehen eines Rings, Zupfen am Ohr - also im Notfall besser einen Zeigestock in die Hand nehmen | |
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Die Hände in den Hosentaschen wird als lässig bis gelangweilt interpretiert, auf dem Rücken als abwartend bis passiv, in den Hüften als aggressiv, gekreuzt vor der Brust als unzugänglich | |
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Mangelnde Körperspannung und hängende Schultern zeigen Resignation, leichte Beugung nach hinten Starre und leichte Beugung nach vorne Betteln um Anerkennung | |
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Am besten wirkt das Gewicht auf beiden Füßen gleichmäßig, am ängstlichsten das ungezielte Hin und Her | |
Überzeugendes
Lügen ist in der nonverbalen Kommunikation auch mit viel Training
kaum zu lernen. Wer aber die Grundregeln nonverbaler Kommunikation beherrscht,
erkennt eigene Schwächen rechtzeitig und kann ihnen mit entsprechender
Übung dann durchaus entgegenwirken. |
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| Quellen |
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| Links |
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© gheberling 2002-12-09